15.01.2024
Von Persien über Zentral-Asien bis nach Fujian: der Manichäismus in seiner Ostverbreitung und seiner chinesischen Transformation

Vortrag: Von Persien über Zentral-Asien bis nach Fujian: der Manichäismus in seiner Ostverbreitung und seiner chinesischen Transformation

 

Datum: Mo., 15. Jan. 2024, 18:00 Uhr c.t.

Ort: Hauptgebäude der Universität Bonn, HS XIV, Am Hof 1, 53113 Bonn

Referent: Prof. Dr. Wang Ding (BFSU)

 

 

Der Manichäismus ist eine ehemalige große Weltreligion, die im 3. Jahrhundert n. Chr. vom parthischen Propheten Mani (ca. 216–274 n. Chr.) im Sasanidenreich gegründet wurde.

 

Der Manichäismus lehrt eine ausgefeilte dualistische Kosmologie, die den Kampf zwischen einer guten, spirituellen Welt des Lichts und einer bösen, materiellen Welt der Dunkelheit beschreibt. Durch einen fortlaufenden Prozess in der Geschichte der Menschheit wird Licht nach und nach aus der Welt der Materie entfernt und in die Welt des Lichts zurückgeführt, aus der es stammt. Der Manichäismus selbst beanspruchte die universelle Gültigkeit seiner Wahrheit. Mani betrachtete seine Lehre nicht als die Religion einer Region, eines Staates oder eines auserwählten Volkes, sondern als die Vollendung der vorangegangenen großen Religionen des Christentums, des Zoroastrismus und des Buddhismus.

 

Als eine engagierte Missionsreligion war der Manichäismus schnell erfolgreich und verbreitete sich weit in vielen Regionen von Europa, Nordafrika, Zentral- und Ostasien. Sie blühte zwischen dem dritten und siebten Jahrhundert auf und war auf ihrem Höhepunkt eine der am weitesten verbreiteten Religionen der Welt.

 

Dieser Vortrag fokussiert die östliche Verbreitung des Manichäismus. Erläutert werden u.a. Themen über seinen geschichtlichen Aufstieg und Niedergang sowie seine Anpassung an die lokalen Glaubenstraditionen in der chinesischen Kulturwelt.

 

Prof. Dr. WANG Ding (Beijing Foreign Studies University) ist ein Philologe und Historiker. Er studierte an der Sun Yat-sen University (BA), Peking University (MA) und der Freien Universität Berlin (Dr. phil.). Danach forschte und lehrte er in Kyoto (Zinbunken, Kyoto University), Hamburg (AAI, Universität Hamburg), Guangzhou (Sun Yat-sen University), Shanghai (Shanghai International Studies University).

Seine wissenschaftlichen Publikationen umfassen u.a.:

 

  • Chinesische Turfantexte mantischen und magischen Inhalts in der Berliner Turfansammlung. Edition, Übersetzung und Kommentar. Diss. Freie Universität zu Berlin, 2002;
  • Jiuzhou Sihai – Wenmingshi lunji 九州四海—文明史研究論集 (China and Beyond the Four Seas – A Selection of Papers on History of Civilisations), Shanghai 2020;
  • Yuzang ji 語藏集 (Saxwan tanbâr). Shanghai, 2021;
  • ‘Remnants of Christianity from Chinese Central Asia in medieval ages’. In: Roman Malek (ed., in connection with Peter Hofrichter), JingjiaoThe Church of the East in China and Central Asia. Sankt Augustin: Institut Monumenta Serica 2006, pp. 149-162, 2 Fig.;
  • ‘Xuanzang’s helpers from Turfan: Some notes based on medieval Chinese manuscripts’. Acta Orientalia Academiae Scientiarum Hungaricae, Vol. 63 (2010) 3, pp. 361–376+2 Pls.;
  • ‘Tablecloth and the Chinese Manichaean hymn Shou shidan ji 收食單偈.’ Tohogakuho kenkyu ronshu 東方學研究論集: 高田時雄敎授退職記念, Kyoto: Rinsen shoten, 2014, pp. 438-454;
  • ‘The Sogdian envoy Maniach and his namesakes in China.’ Acta Orientalia Academiae Scientiarum Hungaricae, Vol. 73/2 (2020), pp. 187-197; Ziguangge gongchen Eminhezhuo huaxiang: Liuwang Deguo de yuanwei ji muqian xialuo 紫光閣功臣額敏和卓畫像:流往德國的原委及目前下落 (The portrait of Emin Khōja, displayed in the Ziguang Hall: In search of the history of its transport to Germany and its present whereabouts), Qinghua daxue xuebao 清華大學學報, 2020 No. 5, pp. 194-201;
  • Cong Confucius dao Laocius 從Confucius到Laocius (From Confucius to Laocius), Zhonguo zaoqi shushu yishu yu wenhua jiaoliu – Li Ling xiansheng qizhi huadan qingshou lunwenji 中國早期數術、藝術與文化交流——李零先生七秩華誕慶壽論文集, 2021, pp. 697-719;
  • Li Hongzhang and Lixihuofen 李鴻章與李希霍芬 (Li Hongzhang and Ferdinand von Richthofen), Dushu 讀書, No. 3, 2023, pp. 88-95.