Vortrag: 9000 Jahre eurasische Wein- und Alkoholkultur – Kontakte und Austausch entlang der prähistorischen und antiken Seidenstraßen

Im Rahmen des Bonner Sinologischen Kolloquiums laden die Abteilung für Sinologie der Universität Bonn und das Konfuzius-Institut Bonn herzlich zu folgendem Vortrag ein:

 

9000 Jahre eurasische Wein- und Alkoholkultur – Kontakte und Austausch entlang der prähistorischen und antiken Seidenstraßen

Peter Kupfer
Johannes Gutenberg-Universität Mainz/Germersheim

 

 

Die ältesten archäologischen Nachweise der Weinfermentation und der Herstellung alkoholischer Getränke stammen von beiden Peripherien des eurasischen Kontinents: im Osten von der neolithischen Siedlung Jiahu in der zentralchinesischen Provinz Henan (7000-5800 v. Chr.), im Westen aus dem Kaukasus-Gebiet, dem heutigen Georgien (6000-5800 v. Chr.). Beide Regionen verfügen bis in die Gegenwart über eine weltweit einzigartige Vielfalt an Weinreben als früheste Quelle der Fermentationskunst. Eine eingehende Betrachtung weiterer, vor allem auch neuerer Funde in anderen eurasischen Frühzivilisationen (in Iran, Palästina, Griechenland, Mesopotamien, Ägypten, Zentralasien, Nordindien, China etc.) offenbart interessante Parallelentwicklungen, die Hinweise auf prähistorischen materiellen und ideellen Austausch im Zusammenhang mit der Kreation alkoholischer Getränke über weite geographische Distanzen erlauben. Diese wurden stets in engem Bezug zu magisch-religiösen und rituellen Kulten eingesetzt. Immer mehr Indizien sprechen dafür, dass dabei bereits in prähistorischen Epochen das später als „Seidenstraßen“ bezeichnete Migrations- und Handelswegenetzwerk eine wichtige Rolle spielte. Zentrale Symbole eurasischer Trinkkultur, wie z. B. Amphoren und bestimmte Typen von Ritualgefäßen, sind überall längs dieser Routen zu finden. Die Niederlassung indoeuropäischer Einwanderer im heutigen Westchina (Xinjiang) vor rund 4000 Jahren, reichlich dokumentiert durch gut erhaltene Mumien, Grabbeigaben und Siedlungsreste im Tarim-Becken, zeugen von frühen Begegnungen und wechselseitigen Einflüssen zwischen West und Ost.

In der Folge pflegten Chinas erste Dynastien über die Seidenstraßen mit zentral- und westasiatischen Völkern und Reichen, insbesondere mit dem persisch-iranischen Kulturkreis, Fernkontakte, die sich seit der Zeit des großen Han-Imperiums vor über zwei Jahrtausenden intensivierten. Parallel zur autonomen Entwicklung einer einzigartigen und überaus komplexen getreidebasierten Alkoholkultur mit verschiedenen regionalen Varianten erfuhr China mit der Belebung der Seidenstraßen im 2. Jh. v. Chr. eine Blütezeit der Weinkultur, die bis zur Tang-Dynastie (618-907) und dann wieder während der Yuan-Dynastie (1279–1368) im Kontext des mongolischen Weltreiches Höhepunkte erreichte.

 

 

Zeit: Montag, 29.04.2019

Uhrzeit: 18:00 – 20:00

Ort: Hörsaal VI, Hauptgebäude der Universität Bonn, Am Hof, 53111 Bonn