22.06.2026
Kulturelle Übersetzung: Peking-Oper zwischen Tradition, Aneignung und Neuerfindung

Vortrag und Gespräch
Datum: 22.06.2026, 14:15-15:45 Uhr
Ort: Lennéstr. 6, Raum 2.004, 53113 Bonn
Referent: Karsten Gundermann

 

Komposition als kulturelle Übersetzung: Peking-Oper zwischen Tradition, Aneignung und Neuerfindung

 

Die Peking-Oper ist eine traditionelle chinesische Theaterform, die Gesang, Tanz, Schauspiel und Akrobatik miteinander verbindet. Sie entstand im späten 18. Jahrhundert und gilt als eine der bedeutendsten Kunstformen Chinas. Auffällige Kostüme, kunstvolle Gesichtsbemalungen und symbolische Bewegungen prägen ihre einzigartigen Aufführungen. Was bedeutet es in diesem Kontext, wenn ein westlicher Komponist eine Peking-Oper schreibt? Der Vortrag blickt auf interkulturelles Komponieren nicht als exotisches Abenteuer, sondern als künstlerische, ästhetische und ethische Grenzerfahrung. Zwischen Pekingoper, europäischer Musiktradition und heutigen Debatten um kulturelle Aneignung entsteht die Frage: Wann wird aus Begegnung Kunst — und wann beginnt Vereinnahmung?

Der Vortrag und das Gespräch sind Teil des Seminars „Einführung in die chinesische Musikgeschichte“ von Dr. Hannes Jedeck an der Abteilung für Sinologie der Universität Bonn.

 

FOTO GundermannKarsten Gundermann studierte Komposition in Dresden, Beijing und an der New York University. Mit seiner 1993 uraufgeführten Oper »Die Nachtigall« schuf er eine der bedeutendsten Pekingopern der Gegenwart. Mit Kompositionen, Publikationen und als Organisator setzt sich Karsten Gundermann seitdem für Kulturaustausch und Völkerverständigung ein.

Gemeinsam mit Werner Ehrhardt entstanden bereits vielgefeierte Projekte wie die italienisch-chinesische Opernserenade »Le Cinesi«, eine faszinierende Verbindung von Barock- und Pekingoper, sowie das Goethe-Oratorium »Chinesisch Deutsche Jahres- und Tageszeiten«. Die Texte wurden von Karsten Gundermann vom Chinesischen in die deutsche Sprache übersetzt.

 

 

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