27 Sep. 27.09.2026
Neue Impulse für den Chinesischunterricht: Fortbildung mit zwei Expertinnen aus Peking
Wie lässt sich Wortschatz nachhaltig vermitteln? Und wie können Erkenntnisse über den Spracherwerb den Unterricht bereichern? Diese Fragen standen im Mittelpunkt einer Fortbildung am 27. September 2026 im Sprachlernzentrum der Universität Bonn. Mit Prof. Yang Yuling und Prof. Wen Ting von der Beijing Language and Culture University waren zwei Expertinnen für Chinesisch als Fremdsprache zu Gast.
Prof. Yang Yuling widmete sich in ihrem Vortrag dem Ansatz „Großer Wortschatz, schlanke Grammatik“. Im Zentrum stand die Frage, wie Wortschatz- und Grammatikvermittlung sinnvoll ineinandergreifen können. Ihr Ansatz: Grammatische Strukturen lassen sich besonders anschaulich anhand von Wörtern und typischen Verwendungsmustern vermitteln. So lernen die Lernenden zugleich, was ein Wort bedeutet und wie sie es im Satz einsetzen können.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf Strategien, mit denen Lernende ihren Wortschatz selbstständig erweitern können. Dazu gehören das Erkennen von Wortbausteinen und Radikalen chinesischer Schriftzeichen, das Verknüpfen verwandter Bedeutungen sowie das Lernen häufig verwendeter Wortverbindungen. Unterrichtsbeispiele und Wortschatzspiele veranschaulichten, wie sich diese Ansätze in die Praxis übertragen lassen. Dabei betonte Prof. Yang, dass spielerische Elemente stets einem Lernziel dienen sollten: Die Freude am Lernen unterstützt den Unterricht, ist aber kein Selbstzweck.
Prof. Wen Ting schlug anschließend die Brücke zwischen der Forschung zum Zweitspracherwerb und dem Chinesischunterricht. Sie erläuterte unter anderem, was sich aus sprachlichen Fehlern über Lernprozesse ablesen lässt, wie sich sprachliche Fähigkeiten entwickeln und welche Rolle sprachlicher Input und Interaktion dabei spielen. Auch das soziale Umfeld und die individuellen Voraussetzungen der Lernenden wurden in den Blick genommen. Ihr Vortrag zeigte, wie theoretische Erkenntnisse helfen können, Lernprozesse besser zu verstehen und Unterricht bewusst zu gestalten.
Die beiden Vorträge verbanden wissenschaftliche Perspektiven mit konkreten Anregungen für die Unterrichtspraxis. Sie machten deutlich, wie eine gezielte Wortschatzarbeit und ein fundiertes Verständnis des Spracherwerbs dazu beitragen können, Lernende beim Chinesischlernen wirksam zu unterstützen.




