Gab es in China vor dem 20. Jh. eine „skeptische Tradition“?

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Gab es in China vor dem 20. Jh. eine „skeptische Tradition“?

Am Montag, den 11. Mai 2026, fand im Hörsaal XV des Hauptgebäudes der Universität Bonn ein gut besuchter Vortrag von Prof. Dr. Michael Friedrich statt. Die Veranstaltung wurde in Kooperation mit der Abteilung für Sinologie der Universität Bonn organisiert und widmete sich der Frage: „Gab es in China vor dem 20. Jahrhundert eine ‚skeptische Tradition‘?“

Im Mittelpunkt des Vortrags stand die Auseinandersetzung mit dem Begriff des Skeptizismus im Kontext der chinesischen Geistesgeschichte. Ausgangspunkt bildeten Überlegungen des britischen Wissenschaftshistorikers Joseph Needham, der in seinem Werk Science and Civilisation in China eine „skeptische Tradition“ innerhalb der chinesischen Philosophie identifizierte und diese insbesondere im neokonfuzianischen Denken der Song-Zeit verortete. Ebenso wurden Positionen des Philosophen Hu Shi thematisiert, der skeptische Elemente unter anderem im Zhuangzi sowie im Lun heng von Wang Chong erkannte.

Prof. Friedrich zeichnete die Entwicklung der Debatte sowohl in China als auch im Westen nach. Anhand ausgewählter Beispiele diskutierte der Referent zudem die grundsätzliche Frage, inwiefern philosophische Kategorien wie „Skeptizismus“, die ursprünglich aus europäischen Denktraditionen stammen, sinnvoll auf chinesische Texte und Denkweisen übertragen werden können. Der Vortrag machte deutlich, dass solche begrifflichen Übertragungen sowohl neue Perspektiven eröffnen als auch methodische Probleme mit sich bringen.

Die Veranstaltung bot den Teilnehmenden einen differenzierten Einblick in aktuelle sinologische Forschung und regte zu einer lebhaften Diskussion über kulturübergreifende philosophische Kategorien an.

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