27.04.2026
„NATUR-SEIN. Natur, Naturbegriff und Umweltverhalten in China“

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27.04.2026
„NATUR-SEIN. Natur, Naturbegriff und Umweltverhalten in China“

Am 27. April 2026 fand im Rahmen des Bonner Sinologischen Kolloquiums im Hauptgebäudes der Universität Bonn ein gut besuchter Vortrag von Dr. Heinrich Geiger statt. Unter dem Titel „NATUR-SEIN. Natur, Naturbegriff und Umweltverhalten in China“ widmete sich die Veranstaltung zentralen Fragen des chinesischen Naturverständnisses und dessen Bedeutung für gegenwärtige ökologische Diskurse.

Im Mittelpunkt des Vortrags stand die in der chinesischen Geistesgeschichte tief verankerte Vorstellung einer grundlegenden Einheit von Mensch und Natur. Dr. Geiger knüpfte dabei insbesondere an die Lehren des neokonfuzianischen Philosophen Wang Yangming an, der die Idee eines „einzigen Körpers“ formulierte, in dem Mensch und Welt untrennbar miteinander verbunden sind. Diese Denkweise spiegelt sich auch im modernen chinesischen Begriff für Ökologie (shengtai) wider, der nicht nur naturwissenschaftliche, sondern auch ethisch-philosophische Dimensionen umfasst.

Ein weiterer Bezugspunkt des Vortrags war die Interpretation der Sinologin Catherine Despeux, die den Menschen als „kosmisch lebendig“ beschreibt. In diesem Sinne erläuterte Dr. Geiger, dass ein nachhaltiges Umweltverhalten im chinesischen Kontext weniger als äußere Verpflichtung, sondern vielmehr als Ausdruck eines inneren Einklangs mit der „Dynamik des Seins“ verstanden wird. Der Mensch sollte sich demnach geschmeidig und anpassungsfähig in die natürlichen Prozesse einfügen.

Strukturiert wurde der Vortrag durch fünf Thesen, von denen im Rahmen der Veranstaltung insbesondere die ersten drei näher ausgeführt wurden. Dabei führte Dr. Geiger in das Konzept der „ersten, zweiten und dritten Natur“ ein und zeigte auf, wie diese Ebenen unterschiedliche Dimensionen des Naturbezugs beschreiben – von der ursprünglichen Natur über kulturell geprägte Umwelt bis hin zu reflektierten Formen des Naturverständnisses.

Die anschließende Diskussion verdeutlichte das große Interesse des Publikums an der Verbindung von traditionellem Denken und aktuellen ökologischen Herausforderungen. Insbesondere wurde die Frage erörtert, inwiefern die vorgestellten Konzepte Impulse für ein nachhaltigeres Umweltbewusstsein auch außerhalb Chinas liefern können.

Die Veranstaltung bot somit nicht nur einen fundierten Einblick in die chinesische Philosophie, sondern regte zugleich zu einem interkulturellen Nachdenken über das Verhältnis von Mensch und Natur an.