22.06.2026
Komposition als kulturelle Übersetzung: Pekingoper zwischen Tradition, Aneignung und Neuerfindung

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22.06.2026
Komposition als kulturelle Übersetzung: Pekingoper zwischen Tradition, Aneignung und Neuerfindung

Am 22. Juni 2026 war der Komponist und China-Kenner Karsten Gundermann zu Gast an der Universität Bonn. Im Rahmen des Seminars „Einführung in die chinesische Musikgeschichte“ von Dr. Hannes Jedeck sprach er in seinem Vortrag „Komposition als kulturelle Übersetzung: Pekingoper zwischen Tradition, Aneignung und Neuerfindung“ über die Herausforderungen und Möglichkeiten interkulturellen Komponierens. Die Veranstaltung wurde vom Konfuzius-Institut Bonn organisiert und bot den Teilnehmenden im anschließenden Gespräch Gelegenheit zu einem intensiven Austausch. Der Referent blickte dabei auf seine langjährige Arbeit in China zurück. Nach einem Kompositionsstudium in Dresden, Beijing und an der New York University entstand mit seiner 1993 uraufgeführten Oper Die Nachtigall eine der bedeutenden zeitgenössischen Pekingopern.

Ausgehend von der traditionsreichen Kunstform der Pekingoper beleuchtete Gundermann die Frage, was es bedeutet, als westlicher Komponist für dieses Genre zu schreiben. Anhand seiner eigenen Erfahrungen zeigte er auf, wie Komposition zu einer Form kultureller Übersetzung werden kann, die auf Dialog, gegenseitigem Verständnis und sorgfältiger Auseinandersetzung mit den jeweiligen Traditionen basiert.

Ein weiterer Schwerpunkt des Vortrags waren aktuelle Debatten um kulturelle Aneignung. Gundermann diskutierte, unter welchen Voraussetzungen künstlerische Annäherung als bereichernder Austausch verstanden werden kann und wo die Grenze zur Vereinnahmung verläuft. Dabei machte er deutlich, dass Offenheit, fundierte Kenntnis der jeweiligen Kultur und die Zusammenarbeit mit Künstlerinnen und Künstlern unterschiedlicher Herkunft wesentliche Voraussetzungen für gelingende interkulturelle Projekte sind.

Im anschließenden Gespräch nutzten die Teilnehmenden die Gelegenheit, Fragen zur musikalischen Gestaltung der Pekingoper, zu Gundermanns Arbeitsweise sowie zu den Chancen und Herausforderungen interkultureller Kunstproduktion zu stellen. Die lebhafte Diskussion verdeutlichte das große Interesse an den vielfältigen Berührungspunkten zwischen chinesischer und europäischer Musiktradition.

Das Konfuzius-Institut Bonn bedankt sich herzlich bei Karsten Gundermann für den inspirierenden Vortrag und den anregenden Austausch sowie bei Dr. Hannes Jedeck und den Studierenden der Abteilung für Sinologie der Universität Bonn für die gelungene Zusammenarbeit.

 

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